Im Gebirge sind Abgasautos stets im Dreckmodus unterwegs

| 14.08.2022 | Wirtschaft

Im Gebirge sind manipulierte Dieselautos stets im Dreckmodus unterwegs, selbst jetzt im Sommer. Eine zweite illegale Abschalteinrichtung sorgt dafür, dass ab 1.000 Meter Bergeshöhe die Abgasreinigung (AGR) das ganze Jahr über ausgeschaltet bleibt. Diese höhenabhängige Abschalteinrichtung ist ebenso illegal wie die sog. “Thermofenster”, urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH). Österreich, das Land der Berge mit 135 Orten oberhalb 1.000 Metern ist davon am stärksten betroffen, davon vor allem Tirol, wo 84 dieser Orte liegen.

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Bremsen gelöst, Hürden leicht auszuräumen

| 01.08.2022 | und Sonstiges

Der EuGH hat „Thermofenster“ in Dieselautos grundsätzlich für illegal erklärt, es den nationalen Gerichten aber überlassen, über Ausnahmen zu entscheiden. Das neueste EuGH-Dieselurteil stärkt Klägern inhaltlich den Rücken, löst die Blockaden bei Gericht und eröffnet möglicherweise Chancen zu weiteren Klagen. Allerdings können die nationalen Gerichte die Klagen gegen VW jetzt nicht einfach durchwinken. Denn der EuGH gibt stets nur den Rahmen vor und hat den nationalen Gerichten die Entscheidung überlassen, ob sie Ausnahmen zulassen. Dabei haben die Höchstrichter in Luxemburg ihnen so enge Grenzen gesetzt, dass sie zu keinem anderen Ergebnis kommen können, als „Thermofenster“ ebenfalls zu verbieten.

Was hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) genau entschieden? Es ist unzulässig, die Abgasreinigung von Dieselautos die meiste Zeit im Jahr auszuschalten und sie funktioniert, wenn es draußen zwischen +15 und +33 Grad Celsius hat. Sinn einer Abgasreinigung ist es ja, dass die Autos die Grenzwerte für das schädliche Abgas Stickoxid (NoX) einhalten, die Umwelt nicht gesetzwidrig zu verpesten und die Gesundheit der Menschen nicht zu gefährden. In Österreich mit einer Jahrestemperatur von durchschnittlich 7,4 Grad ist sicher: ein derart programmiertes „Thermofenster“ führt dazu, dass die Abgasreinigung „überwiegend“ abgeschaltet bleibt, was grundsätzlich unzulässig ist. 

In aller Klarheit stellte der EuGH fest, dass solche Abschaltungen auch dann illegal sind, wenn sie von nationalen Behörden zugelassen wurden, die Autos eine aufrechte Typengenehmigung haben oder erst im Zuge eines Software-Updates aufgespielt wurden.

Da VW beim gesetzlich verordnetem Rückruf genau solche „Thermofenster“ im Zuge des Software-Updates aufgespielt hat, die von der zuständigen deutschen Zulassungsbehörde auch genehmigt worden sind, hätte das Urteil gravierende Folgen für den Konzern: 8,4 Millionen Autos in ganz Europa wären illegal, davon 380.000 in Österreich. Sie müssten womöglich ersetzt, repariert oder zurückgekauft werden. Nicht nur die zurückgerufenen VW Autos mit dem EA 189 Motor (auf die sich das EuGH Urteil direkt bezieht), wären illegal, sondern auch jene „Thermofenster“, die in anderen Automarken mit einer technisch gleichartigen Abgasreinigung (AGR) eingebaut wurden, wie Mercedes, Fiat, Opel, Ford und Renault.

 Zehntausende anhängige Gerichtsverfahren, bei denen das EuGH-Urteil abgewartet wurde, kommen jetzt wieder in die Gänge. So auch die Sammelklagen des Vereins für Konsumentenschutz (VKI) mit 10.000 Betroffenen, die seit 2018 laufen sowie Tausende individuelle Klagen gegen VW, speziell in Österreich und Deutschland.

Hierzulande muss der Oberster Gerichtshof (OGH) also entscheiden, ob „Thermofenster“ zum Schutz des Motors ausnahmsweise zulässig sind, wie dies der milliardenschwere Konzern und die deutsche Bundesregierung argumentieren. Konkret ist zu prüfen ob: a) diese Abschalteinrichtungen technisch notwendig waren, um den Motor vor schwerwiegenden Schaden zu schützen und den sicheren Betrieb zu gewährleisten und ob b) es zur damaligen Zeit keine alternative Technologie gegeben hätte.

Für Experten wie Dr. Axel Friedrich, der mit unzähligen Messungen für die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ganz wesentlich zur Aufdeckung des VW Skandals beigetragen hat, liegt es auf der Hand, dass keine Ausnahmen gestattet werden können.

Zu a) Ein Auto, das nur dann sicher fahren kann, wenn die Abgasreinigung öfters abgeschaltet als eingeschaltet ist, dürfte schon aus Sicherheitsgründen nicht auf den Markt kommen. Es darf nicht sein, dass eine Ausnahme öfter vorkomme als die Regel, denn das würde ja dem Sinn des Gesetzes zuwiderlaufen, gibt der EuGH in seinem Urteil vor.

Zu b) Technische Alternativen zum Abgasrückführungssystem (AGR) gibt es schon seit 2008, als die Produktion der beanstandeten VW Dieselautos begonnen hat. Damals wurden Modelle von VW, Audi, Daimler und BMW,  in die USA exportiert und waren bereits mit dem viel aufwendigeren SCR Katalysator und AdBlue ausgestattet. Doch letztere kostete 500 Euro pro Fahrzeug und war viel teurer als die billige AGR mit 30 Euro. Hier kommt wieder der EuGH ins Spiel, der in seinem Urteil zweifelsfrei festlegt, dass höhere Preise kein Hindernisgrund sein dürfen, eine bessere alternative Lösung einzubauen.

Dass VW und die deutsche Regierung mit allen Mitteln versuchen, sich mit einer Ausnahme-Erlaubnis zu retten, ist kaum verwunderlich. Es ist auch die konsequente Fortsetzung der Konzernstrategie, technische Fakten in Zweifel zu ziehen, um die (technisch unbedarften) Gerichte zu verwirren, Klagen zu gewinnen, Urteile zu verzögern und potenzielle Kläger abzuschrecken.

Gut in Erinnerung ist, wie VW Anwälte eiskalt abstritten, dass man in Europa – anders als in Amerika – die Abgasgrenzwerte nur am Prüfstand einhalten müsse und nicht auf der Straße. Ein kompletter Unsinn, wie sich mit dem EuGH-Urteil von Dezember 2020 herausstellte. Ein weiteres Argument von vor Gericht (etwa in Linz) war, dass es auf die Einstellung der Käufer ankomme, ob ihnen die Umwelt beim Autokauf wichtig gewesen wäre. Ein weiterer Unsinn, mit dem das jetzige EuGH-Urteil ebenfalls aufräumt: Natürlich kommt es nicht auf die Gesinnung der Käufer an, sondern auf die Tatsache, dass die Kunden nicht das bekommen haben, wofür sie zahlten.

Keine Ausnahme für Thermofenster möglich

| 19.07.2022 | Wirtschaft

„Die müssen sich daranhalten und diese Betrugsfenster ebenso wie der Europäische Gerichtshof (EuGH) als illegal einstufen.“ Dr. Axel Friedrich, der wesentlich zur Aufdeckung des Abgasskandals beigetragen hat, begründet, warum die Gerichte von EU-Mitgliedsstaaten die sog. „Thermofenster“ in Dieselautos auf keinen Fall ausnahmsweise genehmigen werden. „Sie müssen sich an die Vorgaben des EuGH halten und diese sind so eng, dass sie keinerlei Ausnahmen statuieren können und alle Betrugsfenster als unzulässig einstufen müssen“, so Dr. Friedrich im Interview.

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EuGH: Thermofenster illegal

| 14.07.2022 | Wirtschaft

Als Betroffene erwarte ich mir – im 7. Jahr VW Dieselskandal! – eine zügige Umsetzung durch den Obersten Gerichtshof (OGH), sodass alle anhängigen Verfahren gegen VW wegen des Betrugsmotors EA 189 rasch zugunsten der Kläger beendet werden, darunter die 10.000 VKI Sammelklagen. Ebenso erwarte ich mir eine Initiative der grünen Verkehrsministerin, um – dort wo es Sinn macht – die Autos mit Hardware-Nachrüstungen umweltfreundlicher zu machen! Endlich! Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die sog. Thermofenster als illegal verurteilt, bei denen die Abgasreinigung von Dieselautos bei üblichen Temperaturen und während des überwiegenden Teil des Jahres verringert wird. Es handelt sich um keine geringfügige Vertragswidrigkeit, eine Auflösung des Kaufs ist daher grundsätzlich nicht ausgeschlossen, so die Große Kammer des EuGH in seinem heute verkündeten Urteil, das durch Anfragen aus Österreich ins Rollen kam – mit Michael Poduschka als federführender Anwalt- auf ganz Europa ausstrahlt.

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Hochspannung vor EuGH Urteil über “Thermofenster”

| 12.07.2022 | Wirtschaft

Für Hochspannung in ganz Europa sorgt das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) über die sogenannten “Thermofernster”, das am Donnerstag 14. Juli veröffentlicht wird. Es ist das erste Urteil des EuGH zu diesem Thema, für österreichische Gerichte bindend ist und kam auf Antrag des Obersten Gerichtshofs (OGH) zustande. Im Kern geht es darum, ob den Käufern Schadenersatz für Dieselautos zusteht, deren Abgasreinigung nur bei bestimmten Außentemperaturen voll funktioniert (zwischen 15 und 33 Grad), selbst wenn diese Autos eine aufrechte Typengenehmigung und ein Software-Update hinter sich haben. “Ich bin optimistisch, dass die große Kammer des EuGH diese Thermofenster als unzulässig einstuft, wie zuvor schon Generalanwalt Rantos” meint dazu Rechtsanwalt Michael Poduschka, der mit zwei Fällen die Sache ins Rollen gebracht hat.

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Wir zahlen Zeche für Kurzens Gesetzesbruch

| 24.06.2022 | und Sonstiges

Mit Kürzung der Familienbeihilfe für nicht-österreichische Staatsbürger hat Österreich gegen Gleichheitsgrundsatz und Verfassung verstoßen, urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH). Österreich wird dieses Urteil auch umsetzen, versicherte Finanzminister Magnus Brunner im Klub der Wirtschaftspublizisten an, ließ aber offen, wann und wie. Dagegen hat Österreich das glasklare EuGH-Urteil gegen VW im Dezember 2020 bis heute nicht umgesetzt und damit 10.000 Sammelkläger auf die Wartebank verbannt, so wie mich. Und Deutschland hat ein weiteres EuGH-Diesel-Urteil auch nur halbherzig umgesetzt.

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Abgaswerte noch immer alarmierend!

| 09.06.2022 | Wirtschaft

Unglaublich, aber wahr. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) deckte unter Leitung von Dr. Axel Friedrich auf, dass noch immer Millionen von Autos aus dem VW Konzern, Mercedes und Fiat illegal hohe Abgaswerte aufweisen – bis zum 16-fachen des erlaubten Grenzwertes. DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch kritisiert die Duldung dieser rechtswidrigen Stickoxid-Grenzwertüberschreitungen und bekräftigt die Forderung an die deutsche Regierung, diese Autos zurückzurufen und zu einer Hardware-Nachrüstung zu verpflichten.  Die DUH kritisiert auch einen Plug-in-Hybrid von BMW, dessen realer CO2 Ausstoß um 536% über den offiziell genannten Wert liegt!

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Alle Software-Updates illegal?

| 07.06.2022 | Wirtschaft

Wasser auf den Mühlen der Deutschen Umwelthilfe (DUH), dass EU-Generalanwalt Rantos die sog. „Betrugsfenster“ (Thermofenster) bei Diesel-Autos als illegal eingestuft hat. Konkret lässt die DUH über ihren Anwalt Remo Klinger (Foto) vor dem Europäischen Gericht in einem eigenen Verfahren klären, ob auch jene Autos ihre Typengenehmigungen verlieren, deren Thermofenster von der deutschen Zulassungsbehörde genehmigt worden sind. Wenn ja, wären Millionen VW Autos in ganz Europa illegal unterwegs, die ein Software-Update hinter sich haben!

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Doppelter “Booster” für österreichische Mercedes-Kläger

| 03.06.2022 | und Sonstiges, Wirtschaft

Ein doppelter „“Booster“ für österreichische Mercedes-Kläger kommt von EU Generalanwalt. Der hat am 2. Juni 2022 festgestellt hat, dass Dieselabgas-Klägern Schadenersatz zusteht und dass auch alle „Thermofenster“  illegal sind. Das ist ein echter Booster für Mercedes-Käufer, weil dieser Konzern die Illegalität seiner eingebauten „Thermofenster“ stets bestritten hatte. Und es ist ein doppelter Booster für österreichische Mercedes-Käufer, weil ihnen der Verbraucherschutzverein (VSV) aktuell die Chance bietet, risiko- und kostenlos in Deutschland zu klagen. Freilich müssen die Schlussanträge von EU-Generalanwalt Rantos noch vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) bestätigt werden. Das stufe ich aufgrund der bisherigen EuGH-Urteile in der Abgassache als ziemlich wahrscheinlich ein, kann aber noch bis Jahresende dauern.

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Sensations-EU-Urteil zugunsten aller Diesel-Geschädigten

| 02.06.2022 | und Sonstiges, Wirtschaft

Im verflixten 7. Jahr nach dem Abgasskandal: „Der EU-Generalanwalt hat deutlich gemacht, dass das Unionsrecht auch die einzelnen Autokäufer schützt und ihnen daher Schadenersatz durch die Hersteller zusteht“, freut sich Dr. Axel Friedrich, über die soeben bekanntgewordene Schlussanträge des EU-Generalanwalt Athanasios Rantos in Sachen Abgasskandal. Wie dieser Schadenersatz aussieht, sei zwar Sache der nationalen Gerichte, aber der Schadenersatz müsse „effektiv“ sein, sprich die Kläger dürfen nicht leer ausgehen, sich aber auch nicht bereichern. Einmal mehr machte Santos klar, dass auch die sog. Thermofenster (eigentlich: Betrugsfenster) unzulässige Abschalteinrichtungen sind. Und zwar selbst dann, wenn sie – wie im Falle Mercedes Benz – durch Fahrlässigkeit zustande gekommen sind (bei der Auslegung der EU-Normen) und nicht in betrügerischer Absicht durch eine eigens eingebaute Umschaltlogik wie bei VW. Bis Ende des Jahres müssen sich Diesel-Geschädigte wohl noch gedulden, ob der EU-Gerichtshof sich den Ansichten seines Generalanwaltes anschließt, was meistens der Fall ist.

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